Vorsorge

Altersvorsorgepflicht: Armutsretter oder Gründungshemmer?

Wenn du schon einmal mit dem Gedanken gespielt hast, dich selbstständig zu machen, oder sogar kurz vor der Gründung stehst, hast du bestimmt bereits davon gehört: Die Politik diskutiert seit Jahren über eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige.

Hintergrund ist, dass die private Altersvorsorge für viele Gründer die einzige Chance auf eine finanzielle Absicherung im Alter darstellt. Die große Frage dabei: Handelt es sich um einen notwendigen Rettungsring für Gründer oder um einen unerwünschten Kostenfaktor, der tolle Ideen im Keim erstickt?

Wie hoch ist der Preis unternehmerischer Freiheit?

Es ist der Traum vieler Menschen: sein eigener Chef sein und ohne Gegenwind genau die Idee in die Tat umsetzen, die einem schon lange unter den Nägeln brennt. Die kreative Freiheit kostet dich jedoch meist den Preis der Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses. Mit diesem fallen unter anderem die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung weg. Das führt im ersten Moment dazu, dass du alle deine Einnahmen behalten kannst – also dein Bruttoeinkommen mit deinem Nettoeinkommen gleich ist.

Doch im zweiten Schritt musst du alle Aufgaben, die als Angestellter zuvor automatisch für dich erledigt wurden, nun selbst organisieren und Absicherungen allein bezahlen. Das kann gerade zu Beginn einer Gründung deutlich zu Buche schlagen.

Altersvorsorgepflicht: Was steht zur Debatte?

Eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige ist bereits seit einigen Jahren Gesprächsthema in der Politik. Denn viele Menschen in Deutschland, die selbstständig tätig sind, sorgen überhaupt nicht für ihre Rente vor. Sie sind jedoch nicht durch ein staatliches Sicherheitsnetz – wie etwa die gesetzliche Rentenversicherung – davor geschützt, im Alter ganz ohne finanzielle Hilfe dazustehen. Um genau diese Menschen vor Altersarmut zu bewahren, wird eine verpflichtende Vorsorge diskutiert.

2012 legte beispielsweise die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein Konzept für eine solche Pflichtvorsorge vor. Zur Umsetzung kam es jedoch bis heute nicht. Diskutiert wurde über Vorsorgemaßnahmen für Selbstständige, die weder Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung noch in sogenannte berufsständische Versorgungswerke wie die Architektenkammer einzahlen.

Von der Leyens Nachfolgerin Andrea Nahles (SPD) hielt ebenfalls an der Rentenversicherungspflicht für Selbstständige fest. Ihre Bestrebungen sind letztlich daran gescheitert, dass keine Einigung zwischen SPD und CDU zur Umsetzung der Versicherungspflicht erzielt werden konnte.

Wie viel Geld sollen Selbstständige laut Plan zurücklegen?

Die Idee der Altersvorsorgepflicht richtete sich in von der Leyens Plan in erster Linie an unter 30-jährige Gründer, die bisher nichts für ihre Rente ansparen. Sie sollten verpflichtet werden, monatlich 400 Euro in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Nach einer Einzahlungszeit von 45 Jahren würden Selbstständige dann durch ihre Mühen eine Rente von rund 850 Euro monatlich bekommen.

Da den meisten Menschen auch diese Rente nicht reichen dürfte, um den bisherigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten, sind weitere private Vorsorgemaßnahmen für Selbstständige notwendig.

Wie können Selbstständige für einen sicheren Lebensabend sparen?

Unternehmensgründer, Solo-Selbstständige und Freelancer sind zwar alle selbstständig tätig. Doch je nach der Art der Selbstständigkeit bist du zu verschiedenen Dingen verpflichtet. Selbstständige Lehrer, Coaches und Existenzgründer, die einen Zuschuss von der Bundesagentur für Arbeit erhalten, müssen beispielsweise Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Bist du Künstler, gibt es für dich eine eigene Künstlersozialkasse. Als selbstständiger Architekt oder Anwalt steht dir hingegen ein eigenes Versorgungswerk – eine sogenannte Kammer – für den Rentenaufbau und weitere Sozialleistungen zur Verfügung.

Gehörst du zu den Selbstständigen, die keine eigene Kammer oder eine gesetzliche Rentenversicherungspflicht haben, musst du dich zum Beispiel über eine private Rentenversicherung, Ersparnisse oder Immobilien für den Lebensabend absichern.

Rente als Selbstständiger: Gesunder Respekt vor Finanzen ist ein guter Ratgeber

Angst vor den Kosten einer Gründung ist in den allermeisten Fällen ein schlechter Ratgeber. Du solltest eine geniale Geschäftsidee deshalb nicht gleich an den Nagel hängen. Doch auf der anderen Seite fahren insbesondere junge Gründer eine sehr gute Idee oft gegen die Wand, da sie dem finanziellen Aspekt der Gründung (Krankenversicherung, weitere Versicherungen etc.) nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Denn wer sein Geld nicht gut einteilt, sitzt schnell vor Problemen, die er nicht stemmen kann. Auf kurze Sicht wird das Geld vielleicht bei der teuren Krankenversicherung knapp. Auf lange Sicht verlaufen Gründungsideen im Sand, wenn du damit langfristig nicht genug Geld erwirtschaften kannst, um deine Zukunft und deine Rente zu sichern.

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Liebe Cora Christine,
vielen Dank für deinen interessanten Beitrag zum Thema Altersvorsorge! Tatsächlich war das soziale Netz, das ich mir selbst spannen muss, meine größte Sorge beim Start meiner selbstständigen Tätigkeit vor knapp 20 Jahren. Heute bin ich sehr froh, dass ich damals den Mut hatte, Verträge zur Altersvorsorge abzuschließen, trotz aller Zweifel und Unsicherheiten, wie sich meine freiberufliche Tätigkeit entwickelt. Meine Aussichten auf eine Altersrente sind zwar nicht besonders rosig, aber sie bilden eine Basis durch Riester, Rürup und private Rentenversicherung. Es wäre sehr hilfreich, wenn die Politik mehr Konzepte für Selbständige entwickeln würde zur Unterstützung! Für Künstler in der Künstlersozialkasse übernimmt der Staat die Arbeitgeberanteile. Dies sollte auch für andere Berufsgruppen möglich sein. Ich bin gespannt auf eine Diskussion zu deinem Beitrag. Mehr zur freiberuflichen Tätigkeit im Museum in meinem Blog:
http://kunstundreisen.com/2015/06/blogberatung-freiberuflich-im-museum/
Herzliche Grüße Andrea Welz

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Liebe Andrea,

vielen Dank für deinen Kommentar und für den Einblick in deinen Alltag als Selbstständige. Denkst du denn, dass eine Vorsorgepflicht diese Unterstützungsaufgabe übernehmen würde? Oder sollten Gründer/Selbstständige/Freelancer ganz anders gefördert werden – zum Beispiel über Versorgungswerken wie die KSK?
Viele Grüße

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Grundsätzlich interessanter Artikel. Ich hab das Thema für mich ebenfalls gelöst, bin aber froh, nicht in der gesetzlichen Rente versicherungspflichtig zu sein. Das Umlagesystem ist doch total kaputt.

Warum wird also nicht mehr auf die Möglichkeiten der eigenen, also privaten, Vorsorge eingegangen?

Ich habe einen Rürup Vertrag und eine flexible AV und fahre damit wohl ganz gut. Ich zahle dort nicht mal so viel ein, wie damals in der gesetzlichen AV, erwirke aber mit Sicherheit eine höhere Rente. Schon allein dafür lohnt sich eine Selbstständigkeit ?

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