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NKF Summit 2017: Treffen von Corporates, Startups und Freelancern

Am 08. September trafen sich Corporates, Startups und Freelancer beim NKF Summit Vol. 2 im Radialsystem V in Berlin. Unter dem Motto „Der Startup-Crashkurs für Corporates“ führten zahlreiche hochkarätige Speaker durch das abwechslungsreiche Programm. Aber lieferten sie auch Impulse für Freelancer?

Um 09:40 Uhr betritt Florian Langenscheidt die Bühne. Na gut, ein paar Minuten später, aber das gehöre schließlich zur Startup-Kultur dazu.

Das ehemalige Vorstandsmitglied der Brockhaus AG blickt freundlich ins Publikum, das wuschelige graue Haar und die entspannte Körperhaltung vermitteln den Eindruck, dass Langenscheidt ein ebenso offener wie erfahrener Gesprächspartner ist. Jemand, der schnell und flexibel auf neue Entwicklung reagiert.

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Info: Der Brockhaus galt viele Jahrzehnte als erfolgreichstes Lexikon in Deutschland und fehlte in keinem Haushalt. Aber die Digitalisierung schlug zu: In den 2000ern gab Bertelsmann die Brockhaus-Sparte auf.

Doch Langenscheidt geht während der Keynote hart mit sich und seinen damaligen Kollegen ins Gericht:

Plötzlich gab es Google und Wikipedia. Wir dachten, das sei Quatsch.

Heute weiß er es, wissen wir alle es besser. Viele Unternehmen haben die Digitalisierung ignoriert, verschlafen, bagatellisiert. Das soll bei einer anderen wichtigen Entwicklung nicht nochmal passieren: den Startups. Etablierte Firmen erkennen, dass sie den Kontakt zu jungen Unternehmen nicht verlieren dürfen.

Veranstaltungsort: Radialsystem V
Der NKF Summit fand zum zweiten Mal im Berliner Radialsystem V statt, einer ehemaligen Pumpstation.
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Dabei gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen: 9 von 10 Startups scheitern. An der Faszination ändert das nichts. Gründen ist nach wie vor cool, Gründen liegt im Trend. Der Hype schwappte vor einigen Jahren aus dem Silicon Valley nach Europa hinüber. Aber ist er auch gerechtfertigt?

Gründen kritisch betrachten

Insbesondere bei Hypes geht es darum, hinter die Fassade zu schauen. Das ist auch der Grund, warum viele Deals in der beliebten Fernsehsendung Die Höhle der Löwen im Nachhinein platzen: Was bei der Präsentation vielversprechend klang, fällt mit einem prüfenden Blick auf den Businessplan wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Oder die Produkte überzeugen, die Gründer jedoch nicht.

Doch nicht immer liegt es daran, denn die Sendung selbst hat auch so ihre Schwächen.

Quelle: WALULIS

Es gehört mehr zum Gründen als eine gute Idee. Gründen ist hart, anstrengend und ein langer Weg voller Risiken. Wer damit nicht umgehen kann, wird scheitern.

Gründer sind die neuen Rockstars

schallte es beim Summit von der Bühne. Aber wie das bei Rockstars eben so ist, können die auch abstürzen. Nicht unbedingt durch den Rausch der Drogen, wohl aber berauscht vom Unicorn-Gedanken.

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Info: Ein Unicorn-Startup erzielt einen Marktwert von über einer Milliarde US-Dollar. Bekannte Unicorns in Deutschland waren zur damaligen Zeit Zalando und HelloFresh.

Doch das könne nicht der Sinn, oder neudeutsch – der Purpose – für die Gründung eines Unternehmens sein. Ein Startup aufzublähen und mit der Brechstange auf den Exit hinzuarbeiten, würde den Menschen nicht helfen.

Unternehmen brauchen einen Purpose

Es ist gut und richtig, dass Startups und große Corporates sich am eigenen Leitbild und den damit verbundenen Werten abarbeiten. Daraus geht der Purpose hervor.

Die Motivation für ein ethisch vertretbareres Wirtschaften muss keinesfalls edelmütiger Natur sein. Denn alle Freelancer kennen die typische Frage eines Unternehmers:

Was habe ich davon?

Machen wir uns nichts vor: Es geht natürlich um Profit und um die Steigerung der Effizienz. Jedes noch so auf Nachhaltigkeit ausgelegte Startup blickt auf die Zahlen und muss sich einem internationalene Wettbewerb stellen, der sich durch die Digitalisierung verschärft. Auch das gehört dazu.

In diese Richtung wird beim Summit ebenfalls argumentiert, wenn es um den Nutzen des Purpose geht: Recruiting der Digital Natives, höhere Mitarbeitermotivation, weniger Krankheitsausfälle – das sind die Vorteile, wenn das Unternehmen Sinn stiftet.

Was du als Freelancer daraus lernen kannst

Klar, der Summit war in erster Linie ein Date zwischen Startups und Corporates. So sagte Andrea Peters vom media:net e. V.:

Es wird in Zukunft darum gehen, tiefer in die Unternehmen reinzugehen und Brücken zu bauen.

Was ist nun die Rolle der Freelancer in diesem Prozess des Brückenbaus? Freiberufler schaffen die Verbindung. Sie sind da, wenn die Wirtschaft sie braucht. Ganz egal, ob erfahrenes Corporate oder Startup-Jungfernflug.

Doch insbesondere junge, rasant wachsende Businesses verheben sich schon einmal, stellen zu viele Leute ein, was in tragischen Entlassungswellen endet.

Freelancer sind es gewohnt, projektbasiert zu arbeiten. Die Kommunikation mit ihnen verläuft unkompliziert, Unternehmen müssen sich höchstens in Form von Rahmen- oder Projektverträgen binden. Das darf und muss durchaus kritisch betrachtet werden. Fest steht aber: Der Trend in der Wirtschaft, Freelancer zu engagieren, ist ungebrochen. Und wird in den kommenden Jahren rasant zunehmen, was auch Markus Heinen, Partner beim Beratungsunternehmen EY bestätigt:

Bis 2019 wird ein Drittel der Workforce in den USA aus Freelancern bestehen.

Hierzulande sieht es ähnlich aus: Laut einer Studie der Manpower Group beschäftigen Unternehmen 2018 bereits zu 55 Prozent Freelancer. Und nicht nur in dieser Branche wird der Bedarf an freien Kräften massiv zunehmen.

Gleichzeitig dürfen Mitarbeiter nicht als Maschinen begriffen werden. Dasselbe gilt natürlich für junge Freelancer. Sie wollen einen Purpose, möchten hinter dem stehen, was sie tun. Wer es als Unternehmer schafft, diesen Purpose zu kommunizieren, darf sich über hervorragende Ergebnisse hochengagierter Spezialisten freuen.

Freiberufler untereinander: Konkurrenz oder Kollegen?

Der NKF Summit verdeutlicht, welche Baustelle Freelancer in den nächsten Jahren dringend klären müssen. Sie benötigen eine starke Lobby. Im Zeitalter der Digitalisierung fehlt es unter Freiberuflern an einem Gefühl der Zusammengehörigkeit. Jeder macht sein eigenes Ding, sieht Konkurrenten statt Kollegen.

Unternehmen sind bereits dabei, dieses alte Denken zu transformieren. Sowohl die kleinen Startups als auch die Big Player erkennen, dass sie sich so weit es eben geht zusammenraufen müssen, um auf dem Markt zu bestehen.

Freiberufler sollten sich eine ähnliche Einstellung zulegen – und zwar bald! Anstatt einen anderen Content-Spezialisten zu meiden wie der Teufel das Weihwasser empfehle ich kompetente Kollegen. Mangeldenken bringt nicht weiter, zumals es etliche Wege gibt, als Freelancer den Bedarf der Unternehmen zu entdecken und ein Angebot zu liefern.

Den Hintern hochkriegen

Junge Freelancer können noch eine weitere wichtige Lektion aus dem NKF Summit lernen, was übrigens für nonkonform steht: den unbequemen Weg gehen. Auch in der Digitalisierung reicht es nicht, sich hinter dem eigenen Schreibtisch zu verstecken und nur über Chats oder Mails zu kommunizieren.

Der persönliche Austausch ist unschätzbar wertvoll und kann dir neue Kunden und/oder Empfehlungen bringen. Nutze diese Chance! Wir sehen uns dann beim nächsten Summit. 🙂

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