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Freelancer und Auftraggeber: 5 Ursachen für ein gestörtes Verhältnis

Ein Leben lang werden wir dahingehend erzogen, uns anzupassen. Bereits im Kindergarten müssen wir uns festen Gruppenplänen fügen: Das geht beim Morgenkreis los und setzt sich über den verordneten Mittagsschlaf sowie bei festen Spielzeiten fort. Über Jahrzehnte lernen wir als Kinder und Heranwachsende also, den festen Regeln der Erwachsenen zu folgen. Das mag in frühen Entwicklungsstadien sinnvoll sein.

Als Freelancer aber bist du erwachsen. Trotzdem hat sich bei vielen Freiberuflern das Bild hierarchischen Arbeitens so fest verankert, dass es sich auf das Verhältnis von Dienstleister und Auftraggeber überträgt. Das ist jedoch keine gute Einstellung.

Der Kunde ist König – der Freelancer aber nicht sein Diener

„Wir kennen jemanden, der das billiger macht“ oder „Dafür erwarten wir volle Verfügbarkeit“ sind Sätze, die einem Freelancer sauer aufstoßen. Sie zeigen: Irgendetwas ist da in der Beziehung Freelancer-Kunde nicht in Ordnung. Zumindest in manchen davon. Die folgenden 5 Ursachen führen zu solchen Schieflagen.

1. Du verstehst deinen Auftraggeber als Chef

Verwechsle einen Kunden nicht mit einem Vorgesetzten. Ihr seid Geschäftspartner, nicht mehr und nicht weniger. Als Freelancer bist du für Unternehmen attraktiv, weil sie für dich keine Sozialabgaben zahlen müssen. Du brauchst also nicht in überschwängliche Dankbarkeit zu verfallen, wenn du von ihnen beauftragt wirst. Die Kooperation ist für beide Seiten eine Win-win-Situation. Vergiss das nie!

Insbesondere bei Einzelunternehmern und kleineren Unternehmen kannst du ein Verhältnis auf Augenhöhe erwarten. Schließlich wirst du anhand deiner Fähigkeiten beauftragt und trägst zum geschäftlichen Erfolg bei.

2. Du bist verzweifelt und zeigst es

Auch wenn deine Telefonleitung stillsteht und die Aufträge eher hereinkleckern als klotzen, darfst du einem potenziellen Auftraggeber niemals zeigen, dass du verzweifelt bzw. dringend auf ihn angewiesen bist. Sonst begibst du dich in eine Abhängigkeit mit weiteren Nachteilen. Dein Kunde könnte anschließend versuchen, dich im Preis zu drücken. Womit wir beim nächsten Fehler wären.

3. Du lässt dich im Preis drücken

Es ist wichtig, eine vernünftige Kalkulation aufzustellen. Dabei helfen zum einen Honorarempfehlungen, zum anderen eigene Berechnungen. Deine Leistung ist wertvoll und es gibt einen Grund dafür, weshalb du deinen Preis so und nicht anders festgelegt hast. Lasse dich daher nicht herunterdrücken, auch nicht durch Behauptungen wie:

  • Dafür haben wir momentan leider kein Budget.
  • Für diesen Auftrag bezahlen wir nichts, aber für Folgeaufträge.
  • Wir brauchen erst einen Beweis deiner Leistungen.

Gerade der letzte Punkt ist an Frechheit eigentlich nicht mehr zu überbieten. Natürlich musst du dich als Freiberufler beweisen, aber doch nicht dann, wenn der Erstkontakt schon erfolgt ist! Man würde dich nicht anfragen, wenn du vorab nicht schon auf irgendeinem Weg überzeugt hättest. Das ist bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen nichts weiter als ein Trick, um dich abzuspeisen. Mache da nicht mit.

4. Du bist ständig erreichbar

Wenn du einen Job hast, dann hast du auch einen geregelten Feierabend. Hier ist die Trennung klar. Von Freelancern wird jedoch gern erwartet, dass sie auch in der Nacht und am Wochenende erreichbar sein müssen. Wenn das deine Vorstellung von FREIberuflichkeit ist, dann lege dir schonmal das Smartphone auf den Nachttisch. Es soll ja ohnehin sehr gesund sein, das Handy im Schlaf in der Nähe des Kopfes zu haben (*Ironie aus*).

Im Ernst, du musst nicht permanent erreichbar sein, warum solltest du auch? Damit der Kunde dich anrufen kann, wann er lustig ist? Nein, so läuft das nicht. Lege Zeiten fest, zu denen du erreichbar bist und kommuniziere diese klar und deutlich nach außen.

5. Du verhältst dich unprofessionell

Wenn du Deadlines verpennst, zu den angegebenen Uhrzeiten nicht erreichbar bist oder du fehlerhafte bzw. unvollständige Dateien verschickst, wenn du Texte voller Rechtschreibfehler abgibst oder mit einer Fahne zum Kundengespräch gehst – was glaubst du wird das für einen Eindruck machen? Freelancer müssen sich den Respekt verdienen. Oder wie Goethe es formulierte:

Wie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen.

Du bist verantwortlich für dein Auftreten, für deine Wirkung nach außen. Daran führt kein Weg vorbei. Du wirst so wahrgenommen, wie du dich präsentierst. Fehler passieren jedem und sie sind wichtige Lernschritte. Aber es gibt Fehler und es gibt wirklich saudämliche Fehler. Von letzteren solltest du so wenig wie möglich machen.

Warum ist ein Verhältnis auf Augenhöhe so wichtig?

Weshalb muss ich überhaupt mit einem Auftraggeber auf Augenhöhe sein?

Müssen muss man dem Sprichwort ja nicht allzu viel im Leben. Aber ich frage dich zurück: Welche bessere Form der Zusammenarbeit gibt es? Möchtest du dich wirklich wie ein Angestellter fühlen? Denn das erschwert auf lange Sicht nicht nur Honorarverhandlungen, das erschwert alles – den konstruktiven Austausch, einen respektvollen Umgang etc.

Wenn du dein Handwerk beherrschst, dann ist es egal, ob du 20 oder 75 bist. Gerade als junger Freelancer bringst du frischen Wind in die Bude. Zeige daher, dass du über genügend Selbstvertrauen verfügst.

Fazit

Ob du schon seit Jahren dabei bist oder gerade erst am Anfang deiner Freelancer-Karriere stehst: Es ist eine Selbstverständlichkeit und sollte keine Ausnahme sein, mit dem Kunden auf Augenhöhe zu stehen. Schließlich hilfst du ihm bei einem Problem und er bezahlt dich dafür – Deal. Lasse dich daher weder einschüchtern, noch in eine Position drücken, die zu deinem Leben als FREIberufler nicht passt. Andernfalls gibst du das Wertvollste aus der Hand, das ein Freelancer besitzt: Autonomie.

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